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Berlin - Blindenwerstatt-Otto Weidt

Die Blindenwerkstatt wurde von Otto Weidt gegründet und geleitet. Otto Weidt zählte zu den „Stillen Helden“. Diese redeten in der Nachkriegszeit nicht über ihre Taten, da sie es als selbstverständlich ansahen zu helfen, und sie waren über viele Verbrechen der Nazis und der Bevölkerung informiert, obwohl viele leugneten, jemals etwas gewusst zu haben. Viele der „Stillen Helden“ waren Frauen.

Otto Max August Weidt, war ein Kleinfabrikant, der während des 2. Weltkriegs hauptsächlich blinde und gehörlose Juden beschäftigt hat. Diese stellten Bürsten und Besen für die Wehrmacht her, deshalb galt diese Blindenwerkstatt als ein wehrmachtswichtiger Betrieb. 

Weidt wollte seine Arbeiter und Arbeiterinnen vor der Deportation schützen und verzögerte die Bürstenherstellung immer mehr und bestach später auch regelmäßig den Gestapochef. Dies geschah das erste Mal im Jahr 1942, als der erste Arbeiter abgeführt werden sollte. Diese Bestechungsversuche führte Otto Weidt öfter durch und legte immer mehr Geld als Bestechungsmittel vor. Allein diese Bestechungsversuche zeigten, dass Otto Weidt seine schützenden Hände über seine jüdischen Arbeiter und Arbeiterinnen halten wollte und dass sie bei ihm als Menschen galten. 

Auch als seine Arbeiterinnen und Arbeiter eines Tages in der Frühe abgeholt werden sollten, ging er zu dem Gestapochef und beschwerte sich, dass sie ihm nicht seine Arbeiter wegnehmen könnten, da er es nicht allein schaffen würde für die Wehrmacht alles herzustellen. Er sagte noch, dass sie immer einen Arbeiter oder eine Arbeiterin abholen dürften, jedoch nicht mehr, da diese gut eingearbeitet waren und es schwer wäre, neue einzuarbeiten. So blieben ihm seine Arbeiter und Arbeiterinnen noch etwas länger erhalten, jedoch nicht für immer. Doch es dauerte nicht lange, und seine Arbeiter und Arbeiterinnen wurden abgeholt und deportiert. doch Otto Weidt versuchte einige  von ihnen in seiner Werkstatt zu verstecken und vor der Verfolgung und der Deportation in den Tod zu schützen. So suchte er Verstecke für sie, gab ihnen Nahrung und falsche Papiere. Da es jedoch gefährlich war, dies alleine durchzuführen, wurde Otto Weidt von seinem Helferkreis unterstützt. 

Zu diesem Helferkreis zählten:

  • Ciomar Schönhaus (er fälschte die Pässe für die Versteckten)
  • Theodor Görner (er fälschte Ausweise und beschäftigte versteckte Juden bei sich in der Druckerei)
  • Hans Rosenthal (er suchte Verstecke und warnte Weidt, welcher Arbeiter oder welche Arbeiterin wann deportiert werden soll)
  • Dr. Gustav Held (war selbst Jude und behandelte Erkrankte wie z.B. Georg Licht)
  • Inge Held ( Ehefrau des Arztes, sie versorgte die Erkrankten mit Medikamenten)

Die sind nur ein paar Helfer aus dem Umkreis von Otto Weidt.

 

Eines der Verstecke haben wir bei unserer Führung durch die Werkstatt gesehen, und dies war hinter einem Kleiderschrank. Der Raum hinter dem Kleiderschrank war zwar geräumig, jedoch war es bestimmt nicht so schön, mit mehreren Personen dort zu „ hausen“. Zudem war es sehr gefährlich, da die Nachbarn immer Fragen stellen könnten, z.B. „Woher die ganze Wäsche komme?“ oder „Wer da rumschreie?“. Immer mehr Nachbarn übenahmen Spitzeldienste für die Nazis, daher war es sehr gefährlich, Juden zu verstecken. Um es jedoch nicht so weit kommen zu lassen, mussten die Versteckten beschäftigt werden. Manche strickten oder häkelten, andere stopften Socken oder schrieben Gedichte oder gar ganze Geschichten. So konnte man sie etwas beruhigen, sodass man von außen kein Verdacht geschöpft werden konnte. Otto Weidt versteckte seine Mitarbeiter, da es für ihn als selbstverständlich galt und es damals kein Gesetz gab, das vorschrieb, dass man keine Juden verstecken durfte. Jedoch wurden fast alle gefasst und deportiert. Als Otto Weidt jedoch hörte, dass sein Mitarbeiter nach Theresienstadt weitergebracht wurden, wusste er, dass dort die Lebensbedingungen etwas besser waren als z.B. in Auschwitz und dass es kein Todeslager war. Er schickte mehrere Lebensmittelpakete dorthin (es waren wohl knapp über 100). Jedoch war Theresienstadt nur ein Durchgangslager und von da aus wurden die meisten Gefangenen weiter in die verschiedenen Konzentrationslager deportiert. Oft ging es direkt nach Auschwitz. Aus Theresienstadt bekam Otto Weidt mehrere Postkarten, in denen sich seine Mitarbeiter für die Lebensmittelpakete bedankten. Auf diesen Postkarten wurden heimlich versteckte Botschaften hinterlassen, wie z.B. auf den Postkarten von Alice Licht, die mit dem erfundenen Geburtsnamen Sorge unterschrieben hat, obwohl sie diesen Namen nie trug. Daraus kann man schließen, dass Alice zu der Zeit Angst um ihre Eltern hatte und Hilfe von Otto Weidt brauchte. Nachdem Otto Weidt diese Postkarte bekam, machte er sich auf den Weg nach Auschwitz um seine Bürsten anzubieten, obwohl niemand sie brauchte. Weidt blieb jedoch stur und wollte sie anbieten, damit er mit Alice in Kontakt treten konnte. Von einem Wärter erfuhr Otto, dass Alices Eltern schon sofort nach der Ankunft umgebracht wurden und dass Alice in ein anderes KZ verlegt wurde. Also machte er sichauf den Weg, um Alice nachzureisen, wo er dann auch die Möglichkeit hatte, mit ihr in Kontakt zu treten. Weidt mietete sich ein Zimmer an, das er für Alices Flucht geplant hatte. Durch einen Mittelsmann erfuhr Alice von dem Zimmer und floh mit einer Freundin bei der Weiterfahrt ins letzte KZ. Alice und ihre Freundin gelangten nach Berlin, wo sie dann lebte. Dies galt als einer der geglückten Fluchtversuche. Somit überlebte Alice diese Zeit. 

 

Eine der heute noch lebenden Überlebenden der NS- Zeit ist Inge Deutschkron. Sie ist eine der wenigen Überlebenden, die über das Vergangene erzählen und berichten kann. Sie sagt, dass Otto mehr ein Freund war als ein Chef. Er wurde nur streng zu ihnen, wenn die Gestapo ihre Prüfrundgänge machten. Passierte dies, wusste jeder, was er zu tun hatte, da es schon eingeübt war, erzählte Inge. War die Gestapo jedoch wieder weg, wurden auch mal Tisch und Stuhl beiseite geräumt und Musik zum Tanzen angemacht. Inge Deutschkron sagt, dass die Werkstatt wie ein Zuhause für sie gewesen sei. 

Dies zeigt, was für ein guter Mann Otto Weidt war, da er seinen Arbeitern das gab, was ihnen früh genommen wurde, und das ist Liebe. Otto Weidt hatte nie Zweifel zu helfen und tat dies, wo er nur konnte, und das ist eine überwältigende Fähigkeit, die damals nicht alle besaßen.

Für seine Taten bekam Otto Weidt die Auszeichnung „Gerechter unter den Völkern“ im Jahr 1971 durch die israelische Gedenkstätte Yad Vashem verliehen.

Mein Eindruck dieses dieses heldenhaften Verhaltens von Otto Weidt ist groß. Er war fast selbst erblindet und nahm die weite Reise für Alices Flucht auf sich, obwohl sie bestimmt nicht so einfach war. Ich finde, dies zeigt, was er für einen großen Charakter gehabt haben muss, dass er das Leben anderer vor seines stellt. Und dies nur, damit er sich sicher sein kann, dass es ihnen gut geht und an nichts fehlt. Ich denke, dass Otto Weidt zu Recht diese Auszeichnung bekommen hat, da diese besondere Menschen mit besonderen Taten auszeichnet und ihnen selbst ein wenig Lebensmut zurückgibt.