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Berlin - Stasi-Gefängnis

Stasigefängnis Hohenschönhausen
Wir befassten uns mit dem Thema Hohenschönhausen, dessen Hauptmerkmal das ehemalige Stasigefängnis ist. 

Es war von 1951-1989 in Betrieb. Vorab wurde uns ein informativer Film gezeigt. Wir erfuhren, dass in der Nachkriegszeit unter sowjetischer Führung von den 250.000 Inhaftierten ca. 100.000 unschuldig waren und ca. 900 Tote in der Umgebung einfach verscharrt worden sind. Viele wussten gar nicht von der Existenz des Gefängnisses, da es auf der Karte nicht eingezeichnet ist und auch auf den ersten Blick gar nicht erkennbar ist. Hunger ( 1 Mal am Tag Essen) und Krankheiten durch mangelnde Hygiene waren an der Tagesordnung, aber das war noch nicht alles, dazu kamen noch verschiedene Foltermethoden, um an Informationen zu kommen, wie körperliche Misshandlung, nackt Ausziehen, kein bzw. wenig Schlaf, man wurde angeschrien etc., eigentlich schon grausam genug, finden wir, doch zusätzlich  gab es in den Zellen kein Tageslicht und nur eine Holzpritsche und einen Eimer, den man sich mit seinen Zellengenossen teilen musste. Wenn man Pech hatte, musste man sich eine Zelle, die für eine Person ausgerichtet war, mit bis zu 7 weiteren Personen teilen. Das Gefängnis besaß rund 200 Zellen nur für das Verhör und 91000 feste Arbeiter, von denen 450 männliche Vernehmer waren. 

Das waren erstmal die Fakten, die wir bekommen haben, bevor wir eine Führung mit einer Zeitzeugin hatten. Ihr Name war Monika. Erst durch die von ihr mitgeteilten  Geschichten aus der Zeit, als sie dort gefangen war, konnten wir ein Stück mehr begreifen, wie schlimm es gewesen sein musste, inhaftiert zu sein. Schnell gingen wir alle locker und offen miteinander um, stellten eifrig Fragen und bekamen ehrliche und ausgiebige Antworten. Die Zeit verging wie im Fluge und wir konnten uns Dank der Erzählungen von Monika emotional sehr gut in die Zeit hineinversetzen. Sie zeigte ebenfalls Emotionen, was die ganze Führung noch ergreifender machte,  nicht wie eine auswendig gelernt Führung durch das Gefängnis. Zu unseren Informationen, die wir hatten, konnten wir nach der Führung nun noch hinzufügen, dass einem schon bei der Einlieferung ins Gefängnis alles, was man hatte, genommen wurde, sogar die Unterwäsche. Zusätzlich wurde überall am Körper, wo man etwas verstecken konnte, nachgeguckt, ob man dort tatsächlich noch Kleinigkeiten in Körperöffnungen versteckt hatte.

Wir erfuhren außerdem, dass es sogar verschiedene Folterzellen, wie Hockzellen, Stehzellen und Sitzzellen gab.  Weiterhin hat sie uns noch erzählt, wie Inhaftierte heimlich miteinander kommuniziert haben z.B. durch Morsezeichen oder durch mit dem Fingernagel unterstrichene Sätze in Büchern, die man ab und zu zum Lesen bekam und die dann in die nächste Zelle weitergegeben wurden. Wir durften sogar in einem dieser Bücher lesen, welches sie aus der Zeit ihrer Haft hatte. Bei dem Anblick so mancher unterstrichenen Sätze bekam man regelrecht Gänsehaut.

Zum Ende der Führung hin, die um einiges länger war als geplant, kam noch die Frage auf, wie man es als Zeitzeugin durchsteht diese Führungen zu machen und wie man dazu kommt. Monika meinte, sie käme zufällig zu diesem Job, da sie gefragt wurde, ob sie es denn mal machen würde. Sie ist dabei geblieben und macht dies sogar ehrenamtlich, da es für sie persönlich die beste Therapie und der beste Weg sei, mit ihrer Vergangenheit umzugehen. Es würde ihr besser gehen, ihr Erlebtes mit anderen zu teilen, jedoch bräuchte man für diesen Job natürlich auch eine gewisse Resilienz und Offenheit, denn nicht jeder kann mit solchen Erfahrungen so offen umgehen.